Norwegen im Scirocco - Tag 1

Die Überfahrt

 

Die Strecke: 690 Kilometer (davon 163 km mit der Fähre)

Fahrtzeit: 9 Std 26 Minuten

Das Fahrzeug: VW Scirocco "White Cat" mit 1,8 Liter 90PS von 1985

Kilometerstand: 255.000 km

Videotagebuch - Tag 1:

Abfahrt am Wittensee. Ab auf die A7 Richtung Dänemark durch ein herrliches Gewitter hindurch. Danach durch die Grenzkontrolle nach Dänemark, die mich sofort durchwinkten. Auf der E45 durch Dänemark dann eine neue Wahrheit: Der VW Golf kommt also gar nicht aus Deutschland, sondern ist MADE IN DENMARK!!!! Außerdem überholte ich eine Army-Jeep-Kolonne, die alle ebenso erstaunt lachend aus ihren zwölf türlosen Vehikeln zurück winkten.

In Hirtshals angekommen strahlte die Sonne! Grund genug, noch kurz den Hafen abzufahren für ein paar Motive! Dänisch ist gar nicht schwer - jeder versteht auch so, was da steht....und nein, da steht nicht "Nacktlocke"...da wächst sogar Gras aus der Regenrinne.

Dann Bordkarte holen und darauf warten, dass alle an Bord dürfen. Nach einer Stunde kamen dann auch wieder die Jeeps von vorhin und parkten eine Reihe weiter. Man unterhielt sich nett ebenso wie mit den beiden belgischen Bikern, die auch den Rocco begutachteten. Die Jeeps kamen von einem Classic-Military-Treffen in Dänemark. War mehr ein Auto-Treffen als ein normaler Parkplatz. Mit meinem Schuldänisch-Englisch-Mix kam ich ganz gut weiter. Mit großen Augen bestaunte ich noch den Flügeltürer-Tesla.

Dann ging es los! Alle bereit in den Bug der SuperSpeed2 einzufahren.....alle.....außer mein Scirocco "WhiteCat". Schlüsseldrehen und der Anlasser quälte sich müde und starb dann ab. Na toll! Und ich direkt in 1. Reihe. Ein Ordner kam gleich angerannt: "No Problem! We start it with a battery-pack later!" Da kamen aber schon zwei stämmige Norweger von der Jeep-Fraktion angerannt: "Battery empty? Just get the second gear and let the clutch come. We will push you!" und schon schoben mich die beiden im flotten Laufschritt an den parkenden Autos vorbei und dann sprang der Rocco auch an gefolgt vom Klatschen der Leute in der ersten Reihe.....na, was für ein Auftritt! Ab auf die Fähre gefahren, Batterie abgeklemmt und ab nach oben.

Die Fähre war komplett ausgebucht, vereinzelt lagen Passagiere mitten im Gang und schliefen - ich blieb drei Stunden auf dem Sonnendeck und genoss die Sonne zum Rauschen des Wassers. Immer wenn ich fast eingenickt war, ging unten die Alarmanlage von irgendeinem Auto los. Auf einem Bildschirm konnte man den aktuellen Standort verfolgen - tatsächlich gab es Menschen, die wie gebannt auf den roten Punkt starrten.

Im TaxFree-Shop gab es das Top-Angebot: Literflaschen Suff für umgerechnet 16 Euro. (In Norwegen zahlt man für einen Liter Jägermeister normalerweise 60 Euro). Viel darf man ohnehin nicht einführen......also nach Norwegen.

Schließlich legte die Fähre in Larvik an. Gespannt schloss ich die Autobatterie wieder an und hoffte, dass der Rocco startet und ich nicht den ganzen Verkehr aufhalten würde. Um gleich zu wissen, ob ich Hilfe brauche oder eben nicht, hatte ich sofort versucht zu starten, als ich wieder auf das Autodeck durfte. Der Rocco sprang an - zum Leidwesen meiner umstehenden Mitreisenden. Für die nächsten 10 Minuten rödelte sich mein altes Auto von über 2000 Umdrehungen laaaaangsam und gemächlich auf erträglichere 1300 Touren runter. Die junge Familie im BMW X1 vor mir war davon extrem genervt. Die beiden Rotznasen auf der Rückbank hielten sich die Nase zu und husteten künstlich auf und die Mutter am Steuer machte mir mit international unmissverständlichen Handzeichen klar, dass ich doch total bescheuert sei und dass mein Auto viel zu laut sei und ich doch den Motor sofort ausstellen sollte. Ich rechnete damit, dass sie jeden Moment aussteigen würde und mir aus Frust mein Auto demolieren würde.

Dann ging es durch den Zoll und dort wartete schon mein Vater, seine Frau und mein Bruder auf mich. Zusammen fuhren wir die 111 km nach Hokksund. Feierabend! Um 22 Uhr fiel ich hundemüde nach 18 Stunden ins Bett.


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